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  • Deutung des Namens

    aus Schleevoigt, der freien Wissensdatenbank

    Betrachtungen zum Familiennamen „Schleevoigt“

    von Dr. jur. Werner Slevogt

    Zu den thüringischen Familiennamen, als deren Grundform Schlevogt anzusehen ist, zählen:

    a) solche, die sich nur im Schriftbild davon unterscheiden, wie

    1. Schleevoigt, Schlevoigt und Schleevogt, aufgeführt in der Reihenfolge ihrer heutigen Häufigkeit
    2. Schleevoigd und ähnliche auf d, die vorwiegend in das 16. und 17. Jahrhundert gehören, und
    3. im ostfriesisch-niederländischen Raum auch Schleevoogt u.ä.

    b) Schlenvoigt, Schleenvoigt, Schlenvogt, Schleenvogt, Schleenvoigd, die noch das ursprüngliche n enthalten;

    c) Schlönvogt, Schloenvogt, Schlönvoigt, Schlönvoigd, Schlönvogt u.ä. , in denen das e oder ee zu ö oder oe wurde, ohne daß sich ihre thüringische Aussprache dadurch änderte,

    d) Schlemvogt, Schlemvoigt und weitere, schon früh vereinzelt auftretende Umbildungen mit m;

    e) Schlehenvoith, Schleenvoit, Schlehnvoith, Schlenvoiths u-ä. im 16. Jahrhundert;

    f) Schlehenvoigt u.ä. als alte und Slehenvoit als älteste dreisilbige Form; und

    g) Slevogt, dadurch entstanden, daß der am 29.04.1596 in Possendorf bei Weimar geborene Paul Schlevogt (*1596) sich als Professor in Jena latinisiert Slevogtus oder Slevogtius nannte, was nach Fortfall der Endung Slevogt ergab, ein Name, der gelegentlich auch Slevoigt oder Sleevogt geschrienen und später außerdem von anderen, heute ausgestorbenen Familien Schlevogt geführt wurde, und zwar meist in der Schreibung Slevoigt, auf den ostfriesischen Inseln auch Sleevogt oder Sleevoogt]].

    Die Umdeutung von Schlevogt hat man Schneevogt, Schnevoigt, Schneevoigt, Schneevoogt u.ä. auffassen wollen. Sie wären dann etwa in Anlehnung an Familiennamen wie Schneevogel oder Schneegans oder ähnlich wie Schneemilch aus Schneemilch gebildet worden. Das scheint indessen fraglich, da sich der Namen der Schneevogel-Gruppe fast durchweg in den nördlichen Harz zurückverfolgen lassen, besonders in die Gegend von Ilsenburg, wo sie mundartlich etwa Sneifot lauten, was auch Schneefuß bedeuten könnte, ein Name , der dort ebenfalls anzutreffen ist. Dabei fällt auf, daß nicht nur Schneevoigt und Schneefuß, sondern auch Schneivoigt und Schneifuß nebeneinander, wenn auch nicht für den gleichen Personen vorkommen.

    Eine Sonderheit finde wir in diesem Zusammenhang noch bei einem Teil der Nachkommen des Borkumer Vogts Nicolaus Schlevogt (*1597). Während die anderen Mitglieder der Familie, deren Stammvater er war, sich Schlevogt oder auch Schleevogt, Schlevoigt u.ä. schrieben, führten Kinder eines seiner Söhne zunächst vorwiegend nur das übliche Patronymikon, Eernst, und deren Söhne änderten dann ihren Familiennamen in Sleeboom um, sicher, um nicht an die Vorfahren und Verwandten, d.h. besagten Borkumer Vogt, dessen Sohn und Nachfolger Ernst Christian (1678-1688) Ernst Christian und weiteren Sohn Jürgen Christian (bis 1692 Vogt in Larrelt bei Emden, danach in Norderney), zu erinnern, die durch ihr Amt un der erste auch als Lutheraner im Gegensatz zu den Einheimischen gestanden hatten.

    Die Bildung des Namens Schlevogt entspricht der einer Reihe alter Amts- und Berufsbezeichnungen mit der Sonderheit, daß der erste Bestandteil offensichtlich auf eine Pflanze, die Schlehe, auch als Schleh- oder Schwarzdorn bezeichnet, und deren gleichnamigen Frucht zurückgeht.

    Die Familiennamen mit der von der Pflanze abgeleiteten Silbe Schleh lassen sich wie folgt einordnen:

    1. solche, die sich auf die Pflanze allein, ihre Teile, ihre Eigenschaft oder die aus ihnen gewonnenen Erzeignisse beziehen und unmittelbar oder über Flur- oder Ortsbezeichnungen Personennamen geworden sind wie:

    a) Schlehe, Scheehe, Schleeh, Schlee, Schle, slehe, Sleh, Slee u.ä. und die oberdeutschen Formen auf ch wie Schlech, und Slech, die allerdings nicht durchweg diesen Ursprung haben; dabei dabei ist eine genaue Abgrenzung zu ähnlich klingenden Namen anderer Herkunft, z.B. Schleen, Schlenn, Schlön, Schlöhen, Schlem usw. nicht immer möglich, und Überschneidungen sind denkbar; auch wenn von anderen Früchten sind Familiennamen unmittelbar, d.h. ohne Zusatz, abgeleitet, wie Apfel, Appel, Birne, Birn, Kirsch, Nuß, Nus, Notte, Pflaume, Pflaum, Plum, Krieche, Kriche, Krich usw.

    b) Schlehlein, Schlelein, Schelhele, und andere vorwiegend süddeutsche Verkleinerungs- und Koseformen, ähnlich wie Nüßlein, Nüßgen, Nüßle, Appele, Äppele, Apli, Pfläumle usw.

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    Von den Pflanzen, deren Namen der zu pflegenden, zu bewahrenden, einzusammelnden oder zu verteilenden Pflanzen oder Früchten gebildet sind, wie Birnen-, Kirschen-, Kriechen-, Rüben- und Wickenvogt sowie im weiteren Sinne auch Holzvogt.

    Von den Pflanzen, deren Namen in letztgenannter Gruppe enthalten sind, steht die Krieche der Schlehe am nächsten, und einst deckten diese Begriffe zum Teil, besonders landschaftlich, oder gingen ineinander über. Der Schlehenvogt ist darum auch als thüringisches Gegenstück zum fränkischen Kriechenvogt angesehen werden.

    Danach könnte der Schlehenvogt ein von einer Gemeinde oder Herrschaft eingesetzter Aufseher gewesen sein, der mit ähnlicher Aufgaben betraut war wie der Kriechenvogt bei der Ernte oder sonstigen Betreuung der Kriechen oder der Kirschenvogt bei der der Kirschen.

    Der erste Teil des Namens Schlehen muß jedoch nicht unbedingt eine nähere Kennzeichnung des betreffenden Vogtamtes beinhalten, sondern könnte ein anderes unterscheidendes Merkmal, wie Wohnort, Grundbesitz u.ä. angeben. Denkbar wäre z.B., daß der Name Schlehenvogt in Anspielung darauf entstanden ist, daß der betreffende Vogt der der scherzhaft als solcher bezeichnete nur über ein paar Schlehen oder über einen kärglichen, mit nicht viel mehr als ein paar Schlehenbüsche bestandenene Acker - einen Schlehenacker - verfügte.

    Für die Entstehung hätte aber auch genügen können, daß ein Vogt ein mit auffallenden Schlehenbüschen bestandenes oder durch sie begrenztes Grundstück besaß, betraute oder dort wohnte und darum Schlehenvogt genannt wurde, vielleicht im Unterschied zu anderen, in der Nähe wohnenden Vögten.

    Im Bezirk Weimar ließen sich allerdings weitere auf -vogt endende Namen nicht und im weiten Umkreis nur vereinzelt nachweisen. Dennoch dürfte die Heimat der Schlehenvögte südlich von Weimar in der Gegend Possendorf oder Buchfahrt zu suchen sein.

    Die Lebensläufe des erwähnten, 1596 geborenen Paul Slevogt und des 1666 in Oldenburg gestorbenen Burggrafen und Hausvogts Gabriel Schlevogt weisen darauf, daß deren Vorfahren schon viele Generationen hindurch in Possendorf ansässig waren, und außerdem zeigt sich, daß der Name in seinen verschiedenen Formen und Schreibungen um 1600 noch im wesentlichen auf ein enges Gebiet um Weimar mit Schwerpunkt in Possendorf und einer leichten Streuung nordlich von Buttelstädt beschränkt war.

    So ergibt sich zusammengefasst: Die zahlreichen Familiennamen mit der Silbe Schle- gehen vorwiegend, und die, die mit Schlehen- beginnen, regelmäßig auf die Schlehe zurück. Die auf -vogt endenden Namen leiten sich bis auf wenige Ausnahmen vom Amt des Vogtes ab.

    Der Familienname Schlevogt, aus Schlehenvogt verkürzt, dürfte entsprechend auf die Wortstämme Schlehe und Vogt zurückgehen.

    Wie es zu dieser Zusammensetzung kam, wird nicht mehr eindeutig zu klären sein, doch liegen zumindest Anhaltspunkte dafür vor, daß sie in der Gegend Possendorf und Buchfart bei Weimar entstand. Erstmalig läßt sich ein Slehenvoit 1489 in Jena-Zweifelbach, also kaum ein Tagesmarsch östlich von Possendorf, nachweisen.

    Bemerkungen

    <references/>